Mein ganz und gar nicht ultimativer NEWSLETTER-TOOL-TEST

Mein ganz und gar nicht ultimativer NEWSLETTER-TOOL-TEST

Ja-so-a-Schmarrn!* möchte ich heute mal all den Experten zurufen, die mir weismachen möchten, im Marketing “kommt es nicht auf die Tools an”. Die gängige Begründung: Tools würden uns schließlich kein Geld verdienen, sondern auf uns selbst käme es an.

Meine Meinung dazu: Natürlich (!) benötige ich etliche Tools, um mein Beratungsbusiness zu organisieren, für Meetings, für Terminabsprachen, für Projektmanagement, für die Kollaboration, für die Rechnungsführung, fürs Media-Management und auch, um mit Kunden und Interessenten (genau genommen mit allen Stakeholdern) in Kontakt zu bleiben. Viele Tools muss und möchte ich schon alleine deswegen sehr gut kennen, um meine Kunden bei der Implementierung ganzheitlicher Marketingstrategien auch kompetent beraten zu können. Warum für Tools zahlen, wenn nicht auch das Optimum aus diesen herausgeholt wird?

Zugegebenermaßen: Auch mich nervt es, neue Tools zu testen, mich auf noch einer und noch einer und noch einer Plattform anzumelden, mich in eine weitere Anwendung einzuarbeiten. Und im schlechtesten Fall dann nach ein, zwei oder vier Wochen festzustellen: Funktioniert dann in der täglichen Arbeitspraxis doch nicht so, wie wir wollen.

Neulich stand die Umstellung unseres Newslettertools an. 

Die bisherige Lösung von rapidmail (ein deutscher Anbieter, dessen Technik und Service wir für einfache Mailings sehr schätzen) war uns zu klein geworden: Mit und für unseren B2B-Kunden erarbeiten wir zunehmends automatisierte Kommunikationsfunnels, die mit dieser übersichtlichen, dafür aber eher kleinen Lösung nicht umsetzbar waren.

Wir managen derzeit
> 15 E-Mail-Listen für B2B-Kunden aus mittelständischen Unternehmen sowie unsere eigene “B2B-Marketing-Kicks”-Liste
> mit gesamt ca. 20.000 aktiven Kontakten
> und versenden pro Monat zwischen 30.000 – 50.000 E-Mailings

Newslettertools gibt es mehr als man gegeneinander testen möchte. Das Testing ist, ich erwähnte es oben, durchaus aufwändig.

 
Wie sind wir bei der Auswahl eines passenderen Newslettertools also vorgegangen?
  1. Wir haben unsere technischen Anforderungen an das Newslettertool definiert.
    Unsere drei Hauptaspekte waren:
    > Gute Anmeldeformularintegration (auf Websites, Social Media etc.)
    > Selbsterklärende Automatisationsmöglichkeiten (Salesfunnel-Building)
    > Anpassbarer Double-opt-In-Prozess
  2. Wir haben uns in den aktuellen Stand der technischen Möglichkeiten eingelesen (ja, auch Tools ändern sich rasch) und haben Erfahrungen mit Kollegen ausgetauscht, von denen wir wissen, dass sie die eine oder andere Lösung im Einsatz haben (die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda also).
  3. Wir haben uns sechs generell für uns in Frage kommende Tools auf deren Website (also quasi von außen) angesehen. Dies waren:
    > Rabbit E-Marketing
    > Cleverreach
    > Activecampaign
    > Convertkit
    > Sendinblue und
    > InfusionsoftWir haben den jeweiligen Web-Auftritt auf uns wirken lassen (wie gut war die Vorstellung ad hoc verständlich?), deren jeweils angebotenen Ressourcen analysiert, deren “How it works”-Videos angesehen und auch die eine und andere Frage via E-Mail an deren Support gegeben. Interessant: von rapidmail waren wir gewohnt, auch mal rasch anrufen zu können. Von den oben genannten Anbietern hatte allerdings nur das deutsche Unternehmen Rabbit E-Marketing einen Telefonsupport. Die anderen Anbieter konnten nur per Mail oder Chat kontaktiert werden (was ich eher ungünstig finde, wenn man wirklich mal schnell Hilfe sucht).
  4. Aus der Gruppe dieser Sechs haben wir uns dann mit Anmeldung (Erstellung eines Testaccounts, der von allen angeboten wird), also von “innen” und in der Anwendung angesehen:
    > Activecampaign
    > Convertkit
    > Getresponse und
    > Sendinblue

Die Preise
der Tools waren für uns in dieser Phase übrigens kein Entscheidungskriterium. Warum? Wir haben über die letzten Jahre die Erfahrung gemacht, dass es als Erstes darauf ankommt, dass das Tool bei genau den Themen hilft, die wir erledigt haben möchten. Zweitens haben wir festgestellt, dass letztlich die Unterschiede der anfallenden Jahreskosten für diese Tools marginal sind.

 
Was waren unsere Erkenntnisse?

Zu Activecampaign:
Zugegebenermaßen war Activecampaign unser Vorab-Favorit (waren es zuviele Kollegen, die uns davon erzählten?): Es gibt einen kostenfreien Test, die Anmeldung funktioniert ruck, zuck, das Tool – wenngleich sehr mächtig – ist relativ selbsterklärend. Auch das erste Anmeldeformular konnten wir schnell aufbauen. Dieses kann mit iframe, HTML Code oder Plugin (zumindest bei WordPress-Seiten) integriert werden. Und hier begann Activecampaign mein Vorschuss-Vertrauen zu verspielen:

Leider funktionierte die Integration des Formulars nicht so problemlos, wie ich mir das gewünscht hätte: Es wurde nämlich nicht angezeigt. Auch unser Webentwickler war ratlos: Bei ihm war das Formular fehlerfrei auf dem Bildschirm zu sehen, auf allen unseren Bürorechnern war hingegen auch nach vielerlei Cache-Entleerungen nur eine leere Seite zu sehen. Nach zwei Stunden und viel Hin- und Her-Testen später kam die Erleuchtung: Es lag am Adblocker (AdGuard), den wir auf unseren Bürosystemen in Kombination mit Chrome einsetzen. Ein übrigens durchaus geläufiger Blocker in Kombination mit dem derzeit am meisten verwendeten Browser. Dass dieses Adblocker-Problem bei Activecampaign nicht bekannt ist, ist für mich kaum vorstellbar.

Support gibt es, wie erwähnt, von Activecampaign nur schriftlich und von dort war die Antwort zu diesem Thema folgende:

Tja, das tat auch uns leid. Ich habe übrigens zwischenzeitlich auf einigen von mir besuchten Websites nicht angezeigte oder nicht funktionierende Buttons- und Formulare entdeckt. Und gottseidank bemerkt, dass hier etwas fehlt. Mir deucht, dies ist ein ernstzunehmendes Thema, dem sich die Tool-Entwickler annehmen müssten. Das Vorhaben Anzeigen zu blockieren hat für mich nichts mit Kontaktformulare oder Buchungen blocken wollen zu tun. Das eine will ich blocken. Das andere will ich unbedingt sehen!

Das zweite Problem mit Activecampaign war für uns: Der vom Tool gesteuerte Double-opt-in-Prozess lieferte die Systemmeldung bei zwei unserer vier Testempfänger auf einer “nicht sicheren”-Webseite aus. Komischerweise nicht bei alle Testern. Trotzdem ein Aspekt, der für uns nicht akzeptabel ist.

Activecampaign bietet übrigens E-Mail-Support auf Deutsch (wie oben zu lesen ist).

Zu Convertkit:
Aus Schaden wird man bekanntermaßen klug (wenn man schon “Klug” heißt sogar klüger 😉 ) und so war nun der initiale Einstieg in unsere Toolteststrategie: das Formular. Die Accountanmeldung bei Convertkit war übrigens auch völlig problemlos, das Tool ziemlich selbsterklärend.

Für Formulare gibt es hier Vorlagen, die so verwendet oder an das eigene Design angepasst werden können (was wir uns zunächst gespart haben). Wenig erfreulich: Auch mit Convertkit klappte die Integration, genauer: die Darstellung auf unserer Test-Website (Wordpess) nicht gut: Auch dieses Formular war mit aktivem Adblocker nicht sichtbar (erschien dann aber bei Deaktivierung dieses).

Der Test war für uns damit eigentlich beendet. So gut uns das Tool aufgrund der Übersichtlichkeit anfangs gefallen hatte. Erwähnenswert ist noch, dass das Ergänzen des Formulars um eine DSGVO-gerechte Checkbox (mit Datenschutzlink) wie wir diese in Europa eigentlich verwenden sollten) nicht möglich war. Die diesbezüglich an den Support gestellte Frage konnte vom Product Specialist leider nicht beantwortet werden (und auf die von diesem erfolgte Weiterleitung an das Senior Tech Team haben wir bis heute keine Antwort erhalten).
Die Kommunikation mit ConvertKit erfolgt übrigens auf Englisch.

Zu Getresponse:
Getresponse ist ein Anbieter mit Sitz in Polen, mit dem per E-Mail auch auf Deutsch gechattet werden kann.

Anmeldung Testaccount (den darf man für 30 Tage testen) und Orientierung im Tool: problemlos. Erstellung eines Testformulars: Einfach verständlich (sogar mit DSGVO-Checkbox). ABER DAS FÜR UNS BESTE: Das Formular war auch mit aktivem Adblocker auf unserer Website darstellbar. Jipeeh. Die Begeisterung (oder war es Erleichterung?) entsprechend groß.

Ein Double-opt-in-Prozess besteht nun bekanntermaßen aus zwei Schritten: Der Anmeldung (über eben dieses Formular) sowie eine nochmalige Rückbestätigung dieser Anmeldung, die jeder Interessierte in der darauf erhaltenen Bestätigungsmail tätigen muss, bevor die Anmeldung aktiv wird.

Diese Bestätigungsmail kann man schön (z.B. im Corporate Design und im Corporate Wording) gestalten – oder nicht schön. Getresponse hat sich für ganz-und-gar-nicht-schön entschieden:

Mal unter uns: Wer möchte eine solche Mail erhalten? Das schreckt doch jeden Empfänger ab. Wer möchte sich denn für eine “Liste” anmelden? Also ich nicht: Ich würde mich gerne für ein Ergebnis, für ein Produkt oder für einen sonstigen Nutzen anmelden. Laut Auskunft des (recht schnell antwortenden) Getresponse-E-Mail-Supports ist dieser Mailingtext leider nicht personalisier- und anpassbar.
Blöd für uns (aber eigentlich auch schade für Getresponse).

Zu Sendinblue:
Soll niemand sagen, es würde uns an Ausdauer fehlen. Auch bei Sendinblue – das Unternehmen ist aus Deutschland (Berlin) – zum Testaccount angemeldet und dermaßen newslettertool-erfahren auch sofort den Bereich zur Formularerstellung gefunden:
Testformular angelegt (ja, auch mit DSGVO-Checkbox – alles andere hätte mich bei einem deutschen Unternehmen auch gewundert 😉 ) und mittels Code auf einer Testseite eingebunden. Und, und, uuuuuuund: ES WAR SICHTBAR! Auch mit scharfem AdGuard.

Der folgende Opt-in-Prozess, der vom System voreingestellt ist, hat unserem kritisches Marketing- und Funktionsauge aber nicht geschmeichelt. Du gute Nachricht: Die Systemnachrichten können nach Belieben angepasst, individualisiert und sogar personalisiert werden.

Einmal dürfen Sie nun raten, auf welches Tool unsere aktuelle Wahl fiel (wir schreiben Q1/2021), oder? Ja, die aktuell anstehenden Projekte werden wir mit dem Newslettertool von Sendinblue lösen.

Mit diesem Tool haben wir zwischenzeitlich übrigens auch die Anmeldung zu unserem eigenen Webinar gestaltet. Wer Interesse am Webinar und am Mailingprozess hat – so sieht es aus:


*geflügelter Ausruf in der Bayerischen Alltagssprache, übersetzt sich zu “bullshit!”

Disclaimer: Wir sind keine Affiliates der hier vorgestellten und auch nicht der hier nicht vorgestellten Newslettertools. Wir haben also nichts davon, wenn Sie sich für Eines davon entscheiden. Ich hoffe, mit meinem Erlebnisbericht zu Ihrer Entscheidungsfindung beitragen zu können.