Auf dem Weg zu Net Zero - Windmühlen oder Bäume pflanzen?

MARKETING MIT KLIMANEUTRALITÄT

 

im Oktober 2022.

Klimaneutralität lässt sich für Unternehmen gut vermarkten.
Dass das Thema von Unternehmen verstärkt kommuniziert wird, erfreut mich. Wenn das Thema für bloßes „Greenwashing“ missbraucht wird, bedauere ich die Unternehmen, die sich ernsthaft um Net Zero bemühen.

 

„KLIMANEUTRAL“ IST NICHT GESETZLICH GESCHÜTZT

Dabei die wirklich grünen von den schwarzen Schafen zu unterscheiden, ist für mich als Verbraucherin auf die Schnelle nicht leicht. Der Begriff „klimaneutral“ ist bislang nicht gesetzlich geschützt. Ich wundere mich zumindest häufig, wer sich zwischenzeitlich alles als „klimaneutral“ einstuft. Wer schon einmal versucht hat, seine persönliche Klimabilanz auszurechnen, bekommt eine Ahnung, wie komplex es erst für ein Unternehmen ist, den verursachten CO2-Footprint realistisch abzubilden.

 

DEFINITION KLIMANEUTRAL

Klimaneutralität bedeutet, dass durch einen Prozess oder Tätigkeit das Klima nicht beeinflusst wird (Wikipedia vom 28.10.2022). Das Europäische Parlament ergänzt auf seiner Website „Klimaneutralität bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffemissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre in Kohlenstoffsenken herzustellen“. Wobei es, genau genommen, bei klimabelastenden Treibhausgasen ja nicht nur um Kohlenstoff geht.

Die feinste Form der Klimaneutralität wäre natürlich, jegliche Umweltbelastungen von Anfang an zu vermeiden bzw. alles daran zu setzen, Belastungen auf ein Minimum zu reduzieren. Kein Unternehmen (und auch kein Mensch) wird es schaffen, keinerlei Emissionen in der gesamten Wertschöpfungskette zu produzieren. 

Der Gedanke hinter Klimaneutralität und den diversen Klimaneutral-Labels ist, die – selbst ehrlich errechneten – Restemissionen durch die Unterstützung von emissionssenkenden Klimaprojekten in entsprechender Höhe auszugleichen. So ergibt sich dann, zumindest rechnerische, eine „Net Zero“ Emission.

 

WAS SIND GUTE CO2-AUSGLEICHSMASSNAHMEN?

Einfach ist aber auch hier mal wieder nichts. Denn der freiwillige Kompensationsmarkt ist nicht reguliert.
Es gibt zahlreiche Anbieter von Klimazertifikaten, die Teile des für die individuellen CO2-Restemissionen bezahlten Betrags in entsprechende Ausgleichsmaßnahmen und Klimaprojekte investieren.

Wie genau, wo und ob überhaupt ein erworbenes Klimazertifikat der Umwelt hilft, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. Auch die Preise dieser freiwilligen Zertifikate differieren vehement – wie auch der Anteil der Gebühr, der dem Konto des Managements des Zertifikatanbieters und nicht der Ausgleichsmaßnahme direkt zufließt.

Unternehmen, die Klimaneutralität wirklich ernst nehmen, können anhand von Kriterien beurteilen, ob eine CO2-Ausgleichsmaßnahme umwelttechnisch sinnvoll ist. Qualitativ hochwertige Kompensationsmaßnahmen müssen mit Treibhausgasreduktionen oder -entfernungen verbunden sein, die

  • zusätzlich sind
  • nicht überschätzt werden
  • dauerhaft sind
  • nicht gleichzeitig von einem anderen Unternehmen oder einem anderen Land beansprucht werden und
  • nicht mit erheblichen sozialen oder ökologischen Schäden verbunden sind.

Bei CO2-Ausgleichswilligen hoch im Kurs steht immer noch „Bäume pflanzen“. Eine Maßnahme, die unter Experten kritisch gesehen wird, da sie nicht zuverlässig permanent ist (Bäume benötigen beim Wachstum erstmal selbst CO2, können später verrotten oder abbrennen und setzen dann das gespeicherte CO2 wieder frei). Als Ausgleichsmaßnahmen werden zudem häufig angeboten „effiziente Kochöfen“ für Haushalte in Entwicklungsländern oder Investitionen in saubere Energieprojekte wie z. B. Wind-, Solar-, Wasserkraft.

Es gibt Initiativen, die sich bemühen, die Qualität von Klimaschutzzertifikaten zu bewerten. Dazu gehört das internationale Projekt carboncreditquality.org. Sechs Klimazertifikatsanbieter des deutschen Markts wurden in 2018 auch von Finanztest unter die Lupe genommen. Am besten schlossen dabei Atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima ab.

 

NACHHALTIGKEIT KOMMUNIZIEREN

Tue Gutes und rede darüber – das gilt für Unternehmen auch bei der Kommunikation von Nachhaltigkeitsbemühungen. Ein Effekt dabei kann sein, auch andere Unternehmen für diese Thematik zu begeistern. Ein zweiter und vermutlich häufiger erwünschter Effekt dabei kann sein, sich, sein Unternehmen und seine Produkte in der Gunst der potenziellen Kund:innen und Mitarbeiter:innen ganz oben zu positionieren. Denn Umweltschutz zieht. Unternehmen, die sich dauerhaft das Vertrauen des Marktes erhalten möchten, müssen dabei allerdings Ehrlichkeit und Sinnhaftigkeit der Maßnahmen zur Maxime machen.

NACHHALTIGKEIT SOLL AUCH IN IHREM UNTERNEHMEN EINE ROLLE SPIELEN? 

Ich berate bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien, setze Konzepte für Nachhaltigkeitsmanagement auf und helfe bei der Umsetzung effektiver ehrlicher Nachhaltigkeitskommunikation sowie der Nachhaltigkeitsberichtserstattung. Ob digital oder analog – individuell und immer treffend.

Ein Gespräch ist der erste Schritt auf diesem Weg.

dr. Martina Klug