#clubhouse: Und was halten Sie eigentlich davon?

#clubhouse: Und was halten Sie eigentlich davon?

… das war in den letzten Tagen die Frage, die mir von meinen Kunden am häufigsten gestellt wurde. Für Viele aus dem Nichts auftauchend (genau genommen: aus den USA kommend), waren Einladungen zur Teilnahme plötzlich heiß begehrt. Die Meisten wussten auch noch nicht so genau, was das Clubhouse-Ding eigentlich ist. Manche nannten es schlicht “den neuesten heißen Sch…”.

Für die Noch-nicht-davon-gehört-Habenden:
Clubhouse ist eine Mobilapp. Eine sogenannte Social-Audio-App. Steht (derzeit) nur unter iOS zur Verfügung.

Wie wird man “Mitglied”:
Download der App. Anmeldung (mit Datenfreigabe). Warten auf ein Mitglied, das einen in den Club einlädt.

Was macht man mit der App:
In sog. “Räumen” oder “Clubs” finden Gespräche statt. Nur Ton. Ohne Video.

Jeder kann ein Gespräch in verschiedenen Formaten starten.

 

Themen und Zeit geben diejenigen vor, die den Raum eröffnen. Einen Raum kann grundsätzlich jedes Mitglied eröffnen. Eine  Cluberöffnung kann man erst beantragen, wenn man mindestens drei Räume im Vorfeld eröffnet hat. Clubs müssen dann vom Clubhouse-Team genehmigt werden, Räume  nicht.

In jedem öffentlichen Raum kann sich jeder einklinken und zuhören. Möchte man sich selbst auch äußern, gibt man dies mit einem Handzeichen bekannt – und wird dann von der Moderator:in auf das Gesprächspodium geholt – oder eben auch nicht. Neben öffentlichen Räumen gibt es Social Rooms (nur mit den Leuten, denen man folgt) und private Räume (nur für diejenigen, die ihr dahin einladet). Logischerweise könnt ihr Euch nur mit denjenigen treffen, die selbst Clubhouse-Nutzer sind.

So sieht es aus, wenn man sich in einem “Room” einloggt. Thema, Veranstalter und Zuhörer sind auf dem Bildschirm sichtbar.

Themen:
Beim Einloggen legt man die Themen seines Interesses fest. Entsprechend liefert die App aus, wenn Etwas zu diesen Bereichen stattfindet.

Die Gesprächsthemen in den Räumen reichen von A bis Z und von Business bis Freizeit. Witzigerweise unterhalten sich derzeit auf der App Viele über den eigentlich Sinn dieser: “The future of brands using Clubhouse to market” war  z.B. heute morgen ein Thema. “Let’s hear your business and maybe we can do a deal” hieß ein anderer, vager Titel, der “Politischer Espresso” war ein Room der bisher wenigen in deutscher Sprache. Da die App aus den USA kommt gibt es bislang dort auch die meisten “Members”. Entsprechend wird auf der App hauptsächlich auf Englisch diskutiert.

Der Marketing-Gag: Künstliche Verknappung
Mitglied bei Clubhouse kann nur werden, wer von einem anderen Mitglied eingeladen wird. Ein echt pfiffiger Marketingansatz: Künstliche Verknappung. Wer möchte nicht das Gefühlt habe: Yay, ich bin offensichtlich so wichtig, dass auch ich schon dabei bin!
Als Mitglied hat man zunächst zwei Einladungen zur Verfügung und erhält – je nach eigener Aktivität – im Laufe der Zeit dann auch mehr.

Einsatz für Marketing im B2B- bzw. B2C-Umfeld:
Clubhouse scheint im Moment ein großer Spielplatz, ein großes (Sich-)Ausprobieren, ein großer Testmarkt zu sein. Man kann als Unternehmen (noch?) keine Werbung schalten. Es ist auch noch nicht bekannt, ob sowas je von den Machern geplant ist.

Aus Marketingsicht kann ich mir eine Nutzung für das Pushen eines Produktes im B2C-Markt vorstellen (Bsp.: Tesla bringt ein neues Modell auf den Markt und stellt dieses in einer Q&A-Runde vor). Oder eine Coach:in (eine Persönlichkeitsmarke) stellt ihr neues Programm zu einem spezifischen Thema vor. Es ist quasi wie ein verlängerter Livetalk im TV. Oder ein Unternehmen oder Unternehmer:in platziert sich durch wiederholte Gesprächsrunden zu einem Thema als Expert:in dafür.

Clubhouse sehe ich als eine Ergänzung zu bisher genutzten Kommunikationskanälen. Einen echten Mehrwert kann ich derzeit nicht erkennen. Außer den, zu den Early Adopters zu gehören. Gesprächsrunden, Q&As etc. könnte man sonst ja auch über die schon etablierten Social Apps oder Meetingplattformen stattfinden lassen.

Gegebenenfalls erzielt Clubhouse derzeit mehr Aufmerksamkeit als die etablierten Plattformen, weil neu und der Eine und Andere kann einen Quick Win realisieren. Quick Win im Sinne von Aufmerksamkeit generieren. Auf der anderen Seite: Die Mitgliederzahlen sind im Vergleich zu Facebook, Instagram, Linkedin auch noch verschwindend (Stand Januar 2021).

Meine initialen Learnings:

Die Zugriffe die Clubhouse wünscht bzw. zum Funktionieren benötigt.

  1. Clubhouse ist ein Musterbeispiel für strategisches Aufmerksamkeits-Marketing.
  2. Kaum angemeldet (und noch keinen Pieps gesagt) hatte ich schon 100+ “Follower”. Hey, klasse. Die kenne ich zwar nicht aber so ein bisschen wichtig fühlt man sich dann schon.
  3. Habe mich die letzten Tage immer mal wieder reingehört: Da war schon viel seichtes Geschwabbel dabei. So kann man seine Zeit verdaddeln, muss man aber nicht. Sprich, ich konnte für mich noch keinen Mehrwert aus Clubhouse ziehen. Die Qualität der Gesprächsrunden ist extrem von den Moderationsfähigkeiten des Diskussionsleiters abhängig.
  4. Meine Prognose: FOMO wird Viele dazu treiben, sich auch mal bei Clubhouse anzumelden. Die Memberzahlen werden in die Höhe schnellen. Viele davon werden die App dennoch nicht nutzen, sich aber auch nicht abmelden, sprich: passive Statistikleichen sein. Die es auf allen anderen Social Media Netzwerken ja auch gibt.
  5. Aus beruflichen Gründen werde ich die Entwicklung und Möglichkeiten in Clubhouse immer wieder beobachten. Privat werde ich die App eher nicht nutzen.
  6. Hinsichtlich Datenschutz gibt es hohe Bedenken. Eric Dolatre, ein geschätzter Freund, ursprünglicher GMX-Gründer und leidenschaftlicher Datenschutzprofi sagt: “Clubhouse ist eine Auswertungs- und Abhörmaschine. Jedes Gespräch wird aufgezeichnet und analysiert. Schwarz-auf-weiss und unverblümt nachzulesen in den AGBs.” Mit der Anmeldung muss man übrigens der App Zugriff auf die gesamten eigenen Kontakte und das Mikro gewähren. Was gewissermaßen logisch ist, sonst würde die App nicht funktionieren.
    Vorgestern, am 27.1.21 berichtete darüberhinaus DER SPIEGEL, dass Verbraucherschützer den Clubhouse-Anbieter wegen gravierender rechtlicher Mängel bereits abgemahnt hätten.